Ein Moment nur für mich…

 
(Dieses Lied und die folgenden Worte widme ich meinem Onkel Elio als Dank für meine wunderbare Welt)
 

Ich kann heute nicht über Beziehungen schreiben, wie ich es sonst mache. Ich werde es ab morgen wieder tun, aber heute funktioniert es nicht.

Heute ist ein anderer Tag. Heute ist es anders. Ich möchte mich daran erinnern, wenn ich mich mal wieder von Kleinigkeiten runterziehen lasse. Dieses echte Gefühl, welches ich am heutigen Tag in mir trage, werde ich nicht lange halten können. Das weiß ich, denn bereits einige Male in meinem Leben hat es mich gelähmt. Es hat meinen Gedankenfluss erstarren lassen, um parallel andere Bilder an mir vorbeiziehen zu sehen. Bilder, die das Leben wirklich wichtig und wahr werden lassen. Und doch ist es ein so trauriger Grund, der einen das Leben spüren lässt. Es ist der Tod.

Bis heute Morgen um 9:30 Uhr war alles wie immer. Mein Tag fing um 6 Uhr an, als meine Tochter aufstehen wollte. Ich war sofort genervt und teilte ihr kopflos mit, dass ich nie ausschlafen kann und der Tag noch so lang sein wird und es immer dasselbe ist mit ihr. Ich fühlte mich müde und erschöpft und auch unzufrieden und das obwohl ich ein tolles Leben mit tollen Menschen habe. Aus welchem Grund ist dieser Gedanke der Dankbarkeit so fern, wenn man ihn doch braucht. Stets sollte er wie ein Engel auf der Schulter sitzen und dafür sorgen, dass man lächelt.

Meine Tochter und ich haben heute Morgen die Augen geöffnet. Andere Menschen hatten dieses Privileg nicht mehr. Mein Onkel ist einer von den Menschen, die die letzte Nacht nicht überlebt haben. Er hat seine Augen einfach nicht mehr geöffnet. Es ist jetzt 14:36 Uhr und ich habe es heute Morgen um 9:30 Uhr erfahren. Ich kam gerade aus einem Meeting im Büro. Es ging um die Bewertung meines Auszubildenden. Das erschien mir um 9 Uhr noch so wichtig zu sein. Das war eine, wie ich dachte wichtige Aufgabe an diesem Tag. An dem Tag wo sich die Prioritäten, die Gedanken, das Bewusstsein in Sekundenschnelle änderten.

Ein kurzer Blick auf mein Telefon und dieser Satz, der sich in mein Kopf brannte. Dieser Satz der das Wort ‚gestorben‘ enthielt.

Als Erwachsener sollte man sich wahrscheinlich zusammenreißen können, aber es gibt Gefühle, die man nicht aufhalten oder zurückhalten kann. Vermutlich ist das der Schrei aus dem Kind in uns. Es kommt einfach so heraus. Wieso konnte dieser Tag nicht so bleiben wie er war. Erst jetzt wird mir klar wie sehr ich mir den Tag so zurück wünsche wie er gestartet ist. Mit der wunderbaren Stimme meiner geliebten Tochter. Ihre kleine Hand, die mich antickte und ihr Wunsch endlich den Tag zu begrüßen. Wieso dachte ich heute Morgen noch, dass es ein schlechter Tag ist?

Heute hat nicht nur mein Onkel mich verlassen, sondern ein Stück meiner Kindheit ist mit fort gegangen. Damals als wir oft mit unseren Familien zusammen saßen und gelacht haben. Mein Leben zwischen Deutschland und Italien, mein Herz welches immer für meine italienische Familie ganz tief geschlagen hat. Heute ist der erste Stein ins Wasser gefallen und das Spiegelbild welches mein Leben lang still sichtbar war, ist seit heute gestört. Die Angst und das Wissen, dass nach und nach Steine folgen werden und meine Erinnerungen immer Erinnerungen bleiben, hat einiges verändert. Nie wieder erlebe ich diese Momente, die mein Herz gefüllt haben. Menschen kommen und Menschen gehen und dann gibt es die Menschen, die deine Kindheit zu einem Bild mit einem warmen Gefühl zusammen fassen. Das hast du geschafft lieber Onkel. Du gehörst zu diesem Bild meiner Kindheit.

Danke dafür….

….. und danke, dass ich heute und vielleicht auch morgen noch weiß wie glücklich ich mich schätzen kann. Ich werde mich nicht über noch offene Rechnungen, Mahnungen, unfreundliche Menschen, meine Figur, meine Falten, Fehler bei der Arbeit oder Männer, die sich unmöglich verhalten ärgern. Mir ist klar, dass dieser Moment nur kurz anhalten wird, aber heute bin ich dankbar für meine Eltern, meine Schwester, meine Tochter, meine restliche Familie und meine geliebten Freunde.

Heute ist ein trauriger Tag. Heute ist alles anders.

 

 

 

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